Lohnen sich Smart Meter? Was kosten, was bringen sie?

smartmeterSmart Meter sind sogenannte „Intelligente Stromzähler“. Im Gegensatz zu herkömmlichen Stromzählern mit Drehscheibe sind Smart Meter digital und können den Stromverbrauch automatisch an den Stromanbieter übertragen. Die Politik diskutiert die Zwangseinführung auch für private Haushalte. Doch lohnen sich Smart Meter für Verbraucher überhaupt? Und: Können durch Smart Meter tatsächlich Stromkosten gespart werden? Machen Sie den Test!

Smart Meter: Kosten berechnen

Kosten von Smart Metern

Die Kosten von Smart Metern setzen sich aus zwei Positionen zusammen:

1.) Kosten für das Smart Meter selbst. Üblicherweise wird ein Smart Meter nicht selbst eingebaut, sondern durch den Grundversorger gestellt. Bei den meisten Stadtwerken und den großen Anbietern (RWE, Vattenfall etc.) betragen die Anschaffungskosten 99 €. Der Anbieter „discovergy“ ist mit 69 € ein wenig günstiger. Wer hingegen ein Smart Meter selbst einbaut, kann hier die entsprechenden Kosten eintragen. Ein Standardgerät wie das „Voltkraft EasyMeter“ kostet im Handel um die 129 €.

2.) Monatlichen Kosten. Alle Anbieter verlangen eine monatliche Pauschale für den Betrieb. Bei den meisten Stadtwerken und den großen Anbietern wie RWE und Vattenfall beträgt diese 10 €/Monat. Sie ist der wirkliche Kostentreiber und der Grund warum sich Smart Meter bei den meisten Privatpersonen nicht lohnen. So kommen in einem Jahr 120 € zusammen, in 10 Jahren gar 1200 €.

Allgemein und für private Haushalte gilt daher: Die Kosten übersteigen die möglichen Einsparungen. Dies wurde auch  in diversen Studien bestätigt, zum Beispiel in dieser des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie. Anders kann es hingegen bei Großverbrauchern und Gewerbekunden sein.

Was bedeutet Smart Meter eigentlich?

Smart Meter sind elektronische Stromzähler, häufig auch „intelligente Stromzähler“ genannt. Anders als bei herkömmlichen Stromzählern wird der Verbrauch nicht von Hand abgelesen, sondern kann per Fernauslese direkt vom Stromlieferanten eingesehen werden. Das Smart Meter übermittelt den Verbrauch also selbstständig – daher auch die Bezeichnung „intelligenter Stromzähler“.

Smart Meter messen Strom, Gas und Wasser

Grundsätzlich bezeichnet der Begriff Smart Meter jede Art von elektronischem Zähler, also auch Gas-, Wasser- oder Wärmezähler. Im Gespräch sind Smart Meter aber vor allem als digitale Strommessgeräte. Nach dem Willen der Politik sollen Smart Meter in den kommenden Jahren etappenweise die klassischen Stromzähler ersetzen.

Wie funktionieren Smart Meter?

Ein digitaler Stromzähler misst und speichert alle relevanten Daten zum Stromverbrauch, also die Verbrauchsmenge und Verbrauchszeit. Alle gemessenen Daten übermittelt das Smart Meter per Mobilfunk oder Internet an den Messdienstleister.

Dem Verbraucher steht im Haus meist ein digitales Display zur Verfügung, an dem er seinen Verbrauch direkt ablesen kann. Bei einigen Versorgern kann der Stromverbrauch über einen verschlüsselten Online-Zugang oder sogar eine App fürs Smartphone eingesehen werden.

Das Smart Metering bietet also einen schnellen und zuverlässigen Überblick über den Stromverbrauch – und zwar für Verbraucher und Lieferanten gleichermaßen. Für den Verbraucher ist dieses Messsystem sehr transparent und soll zugleich beim Energiesparen helfen.

Wie funktionieren Smart Meter?

Das Smart Meter ist im Haus installiert und übermittelt die Daten an den Stromanbieter. Das jährliche Ablesen entfällt also. Der Stromanbieter wertet die Daten aus und bereitet sie auf. Stromverbrauch und Kosten können dann vom Verbraucher wieder per App oder Online eingesehen werden. So kann schnell reagiert werden: unerwartete Nachzahlung kommen nicht mehr vor.

Was sind die Vorteile von Smart Metern?

Digitale Stromzähler bieten ganz neue Möglichkeiten für die Berechnung der Stromkosten. Das Smart Meter ist in der Lage, den Verbrauch in Echtzeit für festgelegte Zeiträume zu erfassen. Dadurch kann der Lieferant in regelmäßigen Abständen eine Fernablese durchführen und muss die Stromzähler nicht mehr jedes Jahr vor Ort kontrollieren. Außerdem kann die Stromrechnung monatlich nach dem tatsächlichen Verbrauch gestellt werden anstatt wie bisher als Abschlag auf die Jahresabrechnung.

Für den Stromlieferanten entfällt durch ein Smart Meter also das regelmäßige Ablesen der Zählerstände. Anstatt die Stromzähler jedes Jahr vor Ort zu kontrollieren, erfolgt die Datenübertragung automatisch in kurzen Zeitintervallen. Der Lieferant kann dem Verbraucher nun monatlich eine aktuelle Rechnung ausstellen, anstatt erst am Jahresende abzurechnen und das ganze Jahr über Abschläge zu berechnen.

Das Smart Meter kann über eine integrierte Kommunikationsschnittstelle mit einem sogenannten Smart Meter Gateway zu einem intelligenten Messsystem aufgerüstet werden. Erst ein solches Messsystem ist fernabfragbar und kann Zählerstände automatisch übertragen. Bisher wird zum Beispiel der Stromverbrauch nur einmal pro Jahr manuell abgelesen und abgerechnet. Sowohl intelligente Zähler als auch Messsysteme verfügen über Schnittstellen, über die der Kunde Verbrauchsinformationen erhalten kann. So bekommen die Kunden mehr Transparenz über den eigenen Verbrauch, können gezielt Strom sparen, ihre Stromkosten senken und damit die Umwelt schonen. Darüber hinaus werden mit den intelligenten Messsystemen die technischen Voraussetzungen für neue, flexible Stromtarife geschaffen.

Dr. Ulrich Wernekinck, Geschäftsführer der RWE Metering

Smart Meter und normaler Stromzähler: Was ist der Unterschied?

Der klassische Stromzähler mit mechanischer Anzeige ist relativ einfach aufgebaut: Der Zähler misst per Drehscheibe kontinuierlich den laufenden Verbrauch. Angezeigt wird also immer der Gesamtverbrauch seit Installation des Zählers. Dadurch ist es nötig, den Zählerstand jedes Jahr von Hand abzulesen. Der Verbraucher hat keinen Überblick darüber, zu welchen Zeiten der Stromverbrauch steigt oder sinkt.

Smart Meter

Mehr und mehr Hausbesitzer gehen dazu über, Strom aus Photovoltaikanlagen oder sogar kleinen Windkraftanlagen in Batterien zu speichern. So kann der Strom auch außerhalb der ertragsreichen Stunden selbst konsumiert werden. Was früher sündhaft teuer war, beginnt sich aufgrund der stetig sinkenden Preise für Batterien langsam zu lohnen.

Genau hier setzt das Smart Meter an. Der intelligente Stromzähler misst nicht nur den reinen Stromverbrauch, sondern erfasst und speichert sämtliche Verbrauchsdaten in elektronischer Form. Dadurch wissen Verbraucher und Stromlieferant genau, wie viel Strom in welchem Zeitraum verbraucht wurde. Eine solche Kontrolle trägt wesentlich dazu bei, Einsparpotenziale beim Stromverbrauch zu erkennen.

Lohnen sich Smart Meter für Verbraucher?

Auch der Verbraucher erhält über die digitale Anzeige einen transparenten Überblick über seine Verbrauchswerte. Darüber hinaus bieten einige Anbieter bereits eine Online-Übersicht der Verbrauchsdaten. So kann der Verbraucher nicht nur seinen aktuellen Stromverbrauch kontrollieren, sondern auch mögliche Einsparpotenziale frühzeitig erkennen. Wie erfolgreich die eigenen Maßnahmen zum Energiesparen sind, erkennt der Verbraucher an den detaillierten Verbrauchsdaten. Böse Überraschungen am Ende des Jahres gehören somit der Vergangenheit an.

Die erneuerbaren Energien stellen einen immer größeren Anteil. An besonders sonnen- oder windreichen Tagen kommt es zu Lastspitzen, an dunklen oder windarmen Tagen zu einer Unterversorgung.
Intelligente Stromnetze (Smart-Grids) sollen Erzeugung, Speicherung und Verbrauch besser regeln. Eine zentrale Steuerung die einzelnen Produzenten und Konsumenten besser aufeinander ab und gleicht somit Leistungsschwankungen im Netz aus.

Sparen Smart Meter Strom?

Beim Smart Metering hat der Verbraucher jederzeit einen Überblick über seinen aktuellen Stromverbrauch. Anders als bei herkömmlichen Stromzählern, wo der Zählerstand erst am Ende des Jahres abgelesen wird, kann der Verbraucher seinen Stromverbrauch direkt nachvollziehen und auf einen gestiegenen Verbrauch sofort reagieren. Dadurch lassen sich Stromfresser schnell und zuverlässig ausfindig machen.

Gleichzeitig schaffen Smart Meter die technische Voraussetzung für tageszeitabhängige Tarife. Der Anbieter kann den Stromverbrauch exakt nach Tarifzeit messen, beispielsweise nach Tag- und Nachttarif. So entsteht für den Verbraucher ein hohes Einsparpotenzial, indem Haushaltsgeräte wie Waschmaschine oder Geschirrspüler außerhalb der teuren Tarifzeiten genutzt werden.

Wie hoch ist das Einsparpotenzial?

Wie viel Energie sich durch Smart Metering einsparen lässt, hängt ganz wesentlich vom Verhalten des Verbrauchers ab. Ein intelligenter Stromzähler senkt nicht automatisch den Verbrauch, sondern spart erst dann Stromkosten, wenn sich das eigene Verbrauchsverhalten ändert. Die Idee ist also, den Verbraucher durch transparente Messdaten zum Stromsparen anzuhalten.

Über das Display und den Online-Zugang erhält der Verbraucher jederzeit eine genaue Übersicht über seinen Verbrauch. Stromfresser können auf diese Weise schnell erkannt und gegen sparsame Geräte ausgetauscht werden. Außerdem lassen sich versteckte Kostenfallen gezielt aufdecken – beispielsweise Geräte, die auch dann noch Strom verbrauchen, wenn sie scheinbar abgeschaltet sind.

Besonders viel Strom sparen können Verbraucher außerdem durch tageszeitabhängige Strompreise. Ein digitaler Stromzähler schafft die technischen Voraussetzungen für variable Tarife, bei denen der Verbraucher in der Nacht oder am Wochenende von günstigen Strompreisen profitiert.

Der klassische Stromzähler mit Drehscheibe nach dem Ferrarisprinzip. Unbequem ist die Ablesung, einmal pro Jahr muss der Zählerstand abgelesen und zum Stromanbieter übermittelt werden. Dafür sind diese Stromzähler datenschutzrechtlich sicher.

Der klassische Stromzähler mit Drehscheibe nach dem Ferrarisprinzip. Unbequem ist die Ablesung, einmal pro Jahr muss der Zählerstand abgelesen und zum Stromanbieter übermittelt werden. Dafür sind diese Stromzähler datenschutzrechtlich sicherer.

Wie sicher sind Smart Meter?

Das Thema Datenschutz spielt eine zentrale Rolle bei der Debatte um Smart Meter. Ein intelligenter Stromzähler übermittelt die Verbrauchswerte in elektronischer Form und ist dadurch potenziell angreifbar. Die Verbrauchsdaten können unter Umständen Rückschlüsse auf die Lebensgewohnheiten der Verbraucher geben – ein Aspekt, der von Datenschützern als sehr kritisch betrachtet wird.

Wie sicher Smart Metering für den Verbraucher ist, hängt in erster Linie von den Datenschutz-Maßnahmen des Anbieters ab. Hier ist es nach wie vor wichtig, dass von den Messstellenbetreibern hohe Standards für die Datensicherheit entwickelt und eingehalten werden. Zu bedenken ist vor allem, dass Smart Meter in sehr kurzen Zeitintervallen Daten aufzeichnen und diese Daten somit besonders sensibel sind. Nach Ansicht der Verbraucherzentrale NRW dürfen Netzbetreiber und Stromlieferanten solche sensiblen Daten nur dann erfassen und weiterleiten, wenn der Verbraucher ausdrücklich seine Einwilligung gegeben hat.

Smart Meter sind einer ganzen Reihe von Bedrohungen in seiner Einsatzumgebung ausgesetzt. Hierbei wäre in erster Linie an Manipulationen des Zählers vor Ort zu denken. Aber auch an die sichere Übermittlung der Messdaten und die Gewährleistung der Datensicherheit von gespeicherten Messdaten beim Energieversorger.

Aus Sicht des Datenschutzes ergeben sich hinsichtlich des Schutzes der Privatsphäre viele Fragezeichen. Dem Energieversorger ist es möglich mit den Verbrauchsdaten Verbrauchsprofile zu erstellen. Bereits heute lassen sich mit individuellen Lastkurven Rückschlüsse auf das Fernsehverhalten, Waschverhalten und andere Verhaltensmuster eines Verbrauchers feststellen und somit auf seine Lebensgewohnheiten schließen.

Datenschutzexperte Maximilian Hartung, Datenschutzexperte der Datenschutz Agentur

Ab wann werden Smart Meter Pflicht?

Das Bundeskabinett hat bereits 2015 einen Gesetzesentwurf zur „Digitalisierung der Energiewende“ vorgelegt. Nach diesem Entwurf sollen intelligente Stromzähler bis 2035 in mehreren Phasen in allen Haushalten und Betrieben installiert werden.

Erster Schritt ist die Smart-Meter-Pflicht für Stromerzeugungsanlagen und größere Verbraucher ab 7 kW jährlich. Der Gesetzesentwurf sieht für diese Verbraucher eine verpflichtende Installation ab 2017 vor. Nächster Schritt wäre ab 2020 der „haushaltsnahe Bereich“ mit einem Verbrauch ab 6000 kWh jährlich. Das betrifft durchschnittlich einen Haushalt ab fünf Personen.

Haushalte mit einem geringeren Stromverbrauch sollen zunächst von der Installationspflicht befreit sein. Allerdings sieht der Gesetzesentwurf vor, dass Netzbetreiber nach eigenem Ermessen auch in kleineren Haushalten bereits Smart Meter nachrüsten dürfen.