Mehrwertsteuer-Rechner: Guter Brutto ⇔ Netto MwSt-Rechner

Mehrwertsteuer-Rechner, Formeln mit Rechenweg, Beispielrechnungen, Hintergrund-Infos und praktische Tipps!

Mehrwertsteuer-Rechner

Mit dem MwSt-Rechner ganz einfach Brutto- und Nettopreis oder die Umsatzsteuer rausrechnen, abziehen oder draufschlagen.

Die Mehrwertsteuer sinkt von 19 % auf 16 %, bzw. 7 % auf 5 %, aufgrund der Corona-Pandemie: Wie ändern sich jetzt die Preise? Wo liegen die besten Schwellenpreise? Hier Mehrwertsteuersenkung berechnen

Inhaltsverzeichnis MwSt-Rechner

Die Mehrwertsteuer einfach erklärt

Den meisten Menschen ist die Mehrwertsteuer (kurz: MwSt.) ein Dorn im Auge. Selbstständige, Handwerker, Dienstleister und der Handel müssen sie auf den Umsatz aufschlagen und an das Finanzamt abführen – deshalb wird sie auch Umsatzsteuer genannt. Die Mehrwertsteuer wird auf alle Waren und Dienstleistungen erhoben. Der Mehrwertsteuersatz beträgt je nach Art der Ware/Dienstleistung 7 % oder 19 %. Die Last trägt dabei der Verbraucher.

Wenn ein Produkt oder ein Service ohne Mehrwertsteuer 100 Euro kosten würde, dann kostet es nach dem Aufschlag 119 Euro. Von diesen 119 Euro sind 19 Euro die Mehrwertsteuer.

Was bedeutet Brutto? Was bedeutet Netto?

Brutto und netto sind die zwei wichtigsten Begriffe des Mehrwertsteuerrechts:

  • Brutto = Der Bruttobetrag enthält die Steuern
  • Netto = Der Nettobetrag enthält noch keine Steuern

Wie wird die Mehrwertsteuer berechnet?

Die Berechnung der Mehrwertsteuer erfolgt grundsätzlich mittels Prozentrechnung. Bei der Mehrwertsteuerberechnung von brutto auf netto sind vier Werte wichtig:

  • der Bruttobetrag (mit Steuern)
  • der Nettobetrag (ohne Steuern)
  • der Mehrwertsteuersatz von 7 oder 19 % (auch Umsatzsteuersatz genannt)
  • der Mehrwertsteuerbetrag, der auf den Nettobetrag aufgeschlagen wird (auch Umsatzsteuerbetrag genannt)

Brutto-Betrag berechnen: Von Netto zu Brutto

Im folgenden wird erklärt, wie man den Bruttobetrag berechnet, wenn man den Nettobetrag und den Mehrwertsteuersatz kennt.

In der folgenden Berechnung wird der Umrechnungsfaktor 1,19 für den Umsatzsteuersatz von 19 % genutzt.

Sollen Zahlenwerte für den ermäßigten Steuersatz von 7 % berechnet werden, wird der Faktor 1,07 genutzt.

Weshalb nun keine 0 mehr vor dem Komma steht, sondern eine 1, ist schnell erklärt: Wir können mit der 1 vor dem Komma bestimmen, dass der Mehrwertsteuerbetrag direkt auf den Nettobetrag aufgeschlagen wird.

Wir berechnen also den Bruttobetrag. Mit einer 0 vor dem Komma berechnen Sie ausschließlich den Mehrwertsteuerbetrag.

\text{Bruttobetrag}=\text{Nettobetrag}*(1+\text{ Mehrwertsteuersatz})

\ 20,00\text{ Euro}*(1+19\%)

\ 20,00 \text{ Euro}* (1+ 0,19)

\ 20,00 \text{ Euro}* 1,19 = 23,80 \text{ Euro}
\text{Nettobetrag + Mehrwertsteuer = Bruttobetrag}

Beispiel Bruttobetrag

Ein Beispiel aus einem anderen Bereich des Lebens macht es Ihnen vielleicht leichter, brutto von netto zu unterscheiden: Wenn Ihr Gehalt am Monatsende auf Ihr Konto eingeht, hat Ihr Arbeitgeber bereits Steuern und andere Beträge abgezogen. Sie erhalten als Arbeitnehmer daher den Nettolohn auf Ihr Konto überwiesen. In Ihrem Arbeitsvertrag hingegen ist das Bruttogehalt genannt. Hiervon werden Abgaben und Steuern also noch abgezogen.

Wie rechnet man von Brutto zu Netto?

Angenommen, der Bruttobetrag beträgt 30 Euro und der Steuersatz 19 %. Dann verwenden Sie die folgende Formel:

\text{Nettobetrag}=\frac{\text{Bruttobetrag}}{1+\text{ Mehrwertsteuersatz}}
 \text{Nettobetrag}=\frac{30,00\text{ Euro}}{1+\text{19 \%}}
 \text{Nettobetrag}=\frac{30,00\text{ Euro}}{1+0,19}

\text{Nettobetrag}=\frac{30,00\text{ Euro}}{1,19}

 \text{Nettobetrag}=25,21\text{ Euro}

Der Nettobetrag ist also 25,21 Euro.

Der Mehrwertsteuersatz von 19 % wird in dieser Formel mit 0,19 angegeben.

Bei einem Mehrwertsteuersatz von 7 % würde man nur mit dem Wert 0,07 rechnen.

Achtung: Wenn etwas 100 € kostet, dann sind keine 19 € Mehrwertsteuer enthalten!

Besonders verwirrend wird es, wenn etwas 100 Euro inklusive Mehrwertsteuer kostet. Dann beträgt die darin enthaltene Mehrwertsteuer nicht 19 Euro, sondern 15,97 Euro!

Wie das? Die Mehrwertsteuer wird auf den Verkaufspreis (= 100 %) aufgeschlagen. Wenn die Mwst. 19 % beträgt, ist das Resultat nach dem Aufschlagen 119 %.

Möchte man also die Mehrwertsteuer berechnen, die in einem Betrag enthalten ist, muss man von den 119 % (Bruttobetrag) ausgehen und nicht den 100 % (Nettobetrag). Deshalb darf man nicht einfach 19 % vom Bruttobetrag abziehen, sondern muss zunächst durch 119 % teilen und dann mit 19 % multiplizieren, um den (absoluten) Mehrwertsteuerbetrag zu erhalten:

\text{Mehrwertsteuerbetrag} = \frac{\text{Bruttobetrag}}{\text{(1+ Mehrwertsteuersatz)}} \times\text{Mehrwertsteuersatz}

19 % oder 7 % Mehrwertsteuer?

In Deutschland gibt es zwei unterschiedliche Mehrwertsteuersätze: den Standardsatz von 19 % und einen ermäßigten Steuersatz in Höhe von 7 %.

In der Theorie gilt die Ermäßigung für alle Produkte des alltäglichen Bedarfs, beispielsweise Lebensmittel. Doch in der Praxis ist die Lage nicht so klar: So müssen für Windeln oder Tampons, die bei einem nicht unerheblichen Teil der Bevölkerung zweifellos zum alltäglichen Bedarf zählen, trotzdem 19 % Mehrwertsteuer entrichtet werden. Bei Schnittblumen, die meist nur sporadisch gekauft werden, gelten hingegen 7 %. Detaillierte Angabenhierzu finden sich im deutschen Umsatzsteuergesetz.

Die wichtigsten Güter und Dienstleistungen mit 7 % Mehrwertsteuer:

  • viele Lebensmittel
  • manche Getränke wie Wasser, Kaffee, Tee, Milch (19 % gelten für Softdrinks, Cola, Säfte, Alkohol etc.)
  • landwirtschaftliche Produkte
  • viele Magazine, Bücher, Zeitungen und Zeitschriften. Für E-Books und Hörbücher werden jedoch 19 % fällig.
  • einige Güter aus der Medizin/Pflegetechnik wie zum Beispiel Rollstühle, Rollatoren und Prothesen. Für Medikamente gilt jedoch der Standardsatz von 19 %.
  • Kunstgegenstände wie Skulpturen, Zeichnungen, Gemälde, Plastiken
  • Aufzucht und Haltung von Vieh, die Anzucht von Pflanzen und die Teilnahme an Leistungsprüfungen für Tiere. Außerdem Leistungen, die unmittelbar der Vatertierhaltung, der Förderung der Tierzucht, der künstlichen Tierbesamung oder der Leistungs- und Qualitätsprüfung in der Tierzucht und in der Milchwirtschaft dienen
  • Leistungen aus der Tätigkeit als Zahntechniker sowie einige Leistungen der Zahnärzte
  • Karten für Theater, Konzerte und Museen, Zirkusvorführungen, Zoos
  • Überlassung von Filmen zur Auswertung und Vorführung sowie Filmvorführungen selbst, soweit die Filme jugendfrei sind oder vor dem 1. Januar 1970 erstaufgeführt wurden
  • Einräumung, Übertragung und Wahrnehmung von Rechten, die sich aus dem Urheberrechtsgesetz ergeben
  • Leistungen der Körperschaften, die ausschließlich und unmittelbar gemeinnützige, mildtätige oder kirchliche Zwecke verfolgen (nur, wenn der Zweckbetrieb nicht in erster Linie der Erzielung zusätzlicher Einnahmen durch die Ausführung von Umsätzen dient)
  • unmittelbar mit dem Betrieb der Schwimmbäder verbundene Umsätze sowie die Verabreichung von Heilbädern
  • Beförderungen von Personen im Schienenbahnverkehr, Bussen und Taxen, Drahtseilbahnen und im genehmigten Linienverkehr mit Schiffen sowie die Beförderungen im Fährverkehr innerhalb einer Gemeinde oder wenn die Beförderungsstrecke nicht mehr als 50 Kilometer beträgt
  • die Vermietung von Wohn- und Schlafräumen, die ein Unternehmer zur kurzfristigen Beherbergung von Fremden bereithält, sowie die kurzfristige Vermietung von Campingflächen

Selbst Experten haben manchmal Schwierigkeiten, die Regelungen nachzuvollziehen:

Der ermäßigte Umsatzsteuersatz von 7 % gilt zum Beispiel für Lebensmittel. Das kann als sozialpolitisch gerechtfertigt angesehen werden, wenn einige Positionen von Getränken bzw. Luxus-Nahrungsmitteln entfallen würden. Allerdings liegt die Schwierigkeit bei allen Ermäßigungsgründen bei den Abgrenzungen: So werden Kaffee, Milch und Latte Macchiato im Restaurant mit 19 % besteuert, außer Haus jedoch unterschiedlich: Zubereitet, also „To go“ fallen für den Kaffee 19 % an, für Milch (Lebensmittel) 7 %. Ein Latte Macchiato wird mit 7 % besteuert, wenn er aus mindestens 75 % Milch besteht, weil er dann als Milchmixgetränk gilt. Für die überwiegenden Ermäßigungstatbestände gibt es keine tragfähigen Gründe. Der Gesetzgeber sollte seine Spielräume für eine Reform nutzen.

Wolfgang Wawro, Pressesprecher der Steuerberaterverbandes Berlin-Brandenburg

Kurios ist die Regelung beispielsweise auch bei Eseln: So gilt für Kreuzungen von Eselstuten und Pferdehengsten (Mauleseln) und Kreuzungen von Eselhengsten und Pferdestuten (Maultieren) der ermäßigte Mehrwertsteuersatz von 7 %. Für reinrassige Esel hingegen wird 19 % Mehrwertsteuer fällig. Außer wenn der Esel schon tot ist. Dann sind es nur 7 %.

Mehrwertsteuer kurz und knapp

Die Mehrwertsteuer (kurz MwSt.) ist eine Steuer, die in Deutschland und vielen anderen Staaten bei der Wertschöpfung erhoben wird. Der Knackpunkt zum Verständnis liegt hier in der Wertschöpfung. Wir sprechen immer dann von einer Wertschöpfung, wenn Werte in der Wirtschaft geschaffen, beziehungsweise „geschöpft“ werden. Das geschieht vor allem bei der Herstellung von Produkten oder bei der Inanspruchnahme von Dienstleistungen.

Zwei Beispiele: Ein Baumstamm hat zwar einen Wert, doch der ist relativ gering im direkten Vergleich zu dem, was später für die daraus hergestellten Produkte gezahlt wird. Vergleichen wir den reinen Wert des Holzes mit dem Wert aller daraus hergestellten Produkte wie Papier, Möbel, Bauholz oder Kohle, dann erkennen wir, dass die Endprodukte insgesamt deutlich wertvoller sind. Der zusätzliche Wert kommt unter anderem durch den Energiebedarf oder die Arbeitsleistung zustande. Dasselbe gilt für Dienstleistungen. Ein verwildertes Stück Land ist weniger wert als eine moderne Parkanlage, die von einem geschulten Gärtner-Team in wochenlanger Arbeit geschaffen wurde. Hier entsteht der zusätzliche Wert hauptsächlich durch die Arbeitsleistung, aber auch die eingesetzten Produkte (z. B. die Pflanzen) oder die Abnutzung von Arbeitsmitteln (z. B. Spaten).

Diese Wertschöpfung wird also vom Staat mit der Mehrwertsteuer besteuert. Bei der Produktherstellung in der Wirtschaft ist sie bei allen Zwischenschritten fällig, nicht nur beim Endprodukt. Normale Verbraucher spüren sie vor allem an der Kasse, weil die Steuer zum Teil von den Produzenten an sie weitergegeben wird. Auf nahezu alle Produkte und Dienstleistungen, die wir kaufen können, wird die Steuer erhoben. Ausnahmen sind selten, darunter fallen beispielsweise bestimmte Dienstleistungen der Deutschen Post.

Einfaches Beispiel zur Mehrwertsteuer

Das Thema Mehrwertsteuer ist ausgesprochen komplex, zumal der Begriff gern synonym für die Umsatzsteuer und die Vorsteuer verwendet wird. So wird selbst auf Rechnungen oder Quittungen lediglich die Mehrwertsteuer ausgewiesen – und das mit unterschiedlichen Prozentsätzen. Ein Beispiel soll die Hintergründe und die korrekten Bezeichnungen anschaulich erläutern.

Vom Grundsatz her dient die Umsatzsteuer zur Besteuerung des Leistungsaustauschs zwischen jeweils zwei Seiten, wie beispielsweise Hersteller und Händler oder Händler und Kunde.

Bemessungsgrundlage ist der Umsatzerlös, den der Unternehmer innerhalb von Deutschland erzielt. Damit ist die Umsatz- oder Mehrwertsteuer eine indirekte Steuer, da der mit der Steuer Belastete nicht gleichzeitig der Steuerschuldner ist: Der Hersteller berechnet die Umsatzsteuer für gelieferte Waren oder Leistungen dem Händler. Der bezahlt an den Hersteller, der wiederum die Steuer an das Finanzamt abführen muss. Allerdings gibt es dann noch die Möglichkeit, die Vorsteuer geltend zu machen.

Unterschied zwischen Umsatzsteuer und Vorsteuer

Die Vorsteuer wiederum ist die Mehrwert- oder Umsatzsteuer, die ein Unternehmen selbst beim Einkauf von Waren oder Dienstleistungen bezahlt. Ist das Unternehmen zum Abzug der Vorsteuer berechtigt, kann es die mit den Rechnungen bezahlten Umsatzsteuerbeträge in der eigenen Umsatzsteuervoranmeldung und in der Folge in der Umsatzsteuererklärung als Vorsteuer von der eigenen Steuerschuld absetzen.

Es kommt also auf die Perspektive an: Dieselbe Steuer, die auf Rechnungen oder Quittungen explizit ausgewiesen werden muss, kann einerseits Umsatzsteuer sein. Diese muss der Rechnungssteller an das Finanzamt abführen. Der Rechnungsempfänger wiederum kann diese Steuer bei der eigenen Umsatzsteuerabrechnung als Vorsteuer absetzen, wenn er vorsteuerabzugsberechtigt ist.

Beispiel Umsatzsteuer – Vorsteuer

Der Einfachheit halber sei das Beispiel auf zwei Stufen in der Wertschöpfung begrenzt, nämlich auf einen Schuhhersteller und einen Schuhhändler, der an Privatkunden verkauft.

  1. Der Schuhhersteller produziert ein Paar Schuhe, das er dem Schuhhändler für 50 Euro zzgl. 19 % Mehrwertsteuer verkauft. Die Rechnung beläuft sich somit auf 50,00 Euro + 9,50 Euro = 59,50 Euro.
  2. Der Schuhhersteller muss die vereinnahmten 9,50 Euro Umsatzsteuer im Rahmen der Umsatzsteuervoranmeldung melden und an das Finanzamt abführen – es handelt sich also um einen durchlaufenden Posten.
  3. Der Schuhhändler schlägt seine Handelsspanne auf und verkauft das Paar Schuhe für 100 Euro zzgl. 19 % Mehrwertsteuer. Die Quittung für den Verbraucher lautet somit auf 100,00 Euro + 19,00 Euro = 119,00 Euro.
  4. Damit hat der Schuhhändler 19,00 Euro Umsatzsteuer von seinen Kunden eingenommen, die er ebenfalls im Rahmen der Umsatzsteuervoranmeldung erfassen muss. Gleichzeitig kann er aber die bereits an den Schuhhersteller bezahlten 9,50 Euro Umsatzsteuer abziehen – als Vorsteuer. Die Steuerschuld reduziert sich demnach: 19,00 Euro – 9,50 Euro = 9,50 Euro Umsatzsteuerschuld.

Der Hintergrund: Stufenweise Besteuerung der Umsätze

Die Schuhe sind nun beim Verbraucher angekommen, der unter dem Strich die Umsatzsteuer tragen muss:

  • Der Schuhhersteller hat Schuhe im Wert von 50 Euro hergestellt und 9,50 Euro Umsatzsteuer abgeführt.
  • Der Schuhhändler hat einen Mehrwert von 50 Euro aufgeschlagen und unter dem Strich ebenfalls 9,50 Euro Umsatzsteuer geleistet.
  • Der Verbraucher hat die Schuhe für den vollen Preis gekauft und dafür 19,00 Euro Mehrwert- bzw. Umsatzsteuer bezahlt.

Es lässt sich also festhalten, dass auf jeder Stufe der Wertschöpfung eine Besteuerung des jeweiligen Mehrwertes erfolgt. Fließen nämlich fremde Leistungen oder Produkte in den Wertschöpfungsprozess ein, kann die darauf bereits geleistete Umsatzsteuer in Abzug gebracht werden – zumindest von den dazu Berechtigten. Privatpersonen sind davon ebenso ausgenommen wie Kleinunternehmer.

Die Ausnahme: Kleinunternehmer mit Umsatzsteuerbefreiung

Schon anhand dieses Beispiels lässt sich ermessen, dass der Aufwand zur Umsatzsteuervoranmeldung und Umsatzsteuererklärung erheblich ist. In der Praxis sind die Wertschöpfungsketten in den Produktionsfirmen ohnehin deutlich länger. Für kleinere Unternehmen jedoch besteht die Möglichkeit, sich von der Umsatzsteuerpflicht befreien zu lassen: Die Waren und Dienstleistungen werden dann ohne Umsatzsteuer verkauft, im Gegenzug fällt aber auch der Vorsteuerabzug weg.

Mehrwertsteuer-Rechner: Mehrere Werte gleichzeitig berechnen

Rundungsprobleme bei der Mehrwertsteuer

Die Berechnung der Mehrwertsteuer für ein einzelnes Produkt oder eine einzelne Dienstleistung ist relativ einfach und zudem eindeutig. Schwierig wird es hingegen, wenn die Mehrwertsteuer für mehrere Produkte oder Dienstleistungen (man spricht hier auch von „Posten“) berechnet werden soll. Hierbei kommt es schnell zu Rundungsdifferenzen.

Rundungsdifferenzen bei der Mehrwertsteuer

Geht es beispielsweise um drei gleiche Produkte, gibt es zwei Möglichkeiten zur Ermittlung des Gesamtbetrags der Mehrwertsteuer: Horizontal und Vertikal. Bei der vertikalen bzw. spaltenweisen Berechnungsart wird die Mehrwertsteuer von jedem Artikel einzeln gebildet und gerundet. Anschließend wird diese mit dem Nettopreis addiert und mit der Anzahl der Artikel multipliziert. Bei der horizontalen bzw. zeilenweisen Berechnung wird zuerst der Nettopreis mit der Anzahl multipliziert und von der Summe die Mehrwertsteuer berechnet. Kritisch wird es, wenn das verkaufende Unternehmen die eine Methode nutzt und das kaufende Unternehmen die andere. Hierbei können Rundungsdifferenzen auftreten wie folgendes Beispiel zeigt:

Vertikale Berechnung der Umsatzsteuer

PostenEinzelpreisMwSt (7 %)Gesamt
#11,350,091,44
#21,35+0,091,44
#31,35+0,091,44
4,05=0,274,32

Horizontale Berechnung der Umsatzsteuer

PostenEinzelpreisMwSt (7 %)Gesamt
#11,35
#21,35
#31,35
4,05 * 0,07=0,284,33
Wie man sieht, unterscheiden sich die Beträge der Mehrwertsteuer um einen Cent. Hat man nun mehrere hundert Posten, bei denen dieses Problem auftritt, können sich schnell Differenzen von mehreren Euros ergeben. Rechtlich gesehen sind beide Methoden einwandfrei. In der Praxis ist die vertikale Berechnung üblich. \text{Posten 1:}\ \\text{Nettosumme}=\text{Nettobetrag pro Stueck}\times\text{Anzahl}\ \  \text{USt-Betrag}=\text{Nettobetrag pro Stueck}\times\text{USt-Satz}\times\text{Anzahl}\ \ \text{Brutto-Betrag}=\text{Nettosumme}+\text{USt-Betrag}

Nettopreis und Bruttopreis anhand Mehrwertsteuerbetrag berechnen

Wenn Sie nur den Mehrwertsteuerbetrag und den Mehrwertsteuersatz kennen, dann haben Sie schon alles, was Sie brauchen, um sowohl den Netto- als auch den Bruttopreis zu berechnen. Geben Sie einfach den Mehrwertsteuerbetrag in den Netto-/Bruttopreis-finden-Rechner ein. Alternativ finden Sie unter dem Rechner auch die nötigen Formeln, um selbst zu rechnen.

Die Formel, um dem Nettobetrag anhand des Mehrwertsteuerbetrags zu berechnen:

\text{Nettobetrag} = \frac{\text{Mehrwertsteuerbetrag}}{\text{Mehrwertsteuersatz}}\times\text{100 }

Die Formel, um den Bruttobetrag anhand des Mehrwertsteuerbetrags zu berechnen:

\text{Bruttobetrag} = \frac{\text{Mehrwertsteuerbetrag}}{\text{Mehrwertsteuersatz}}\times\text{(100+Mehrwertsteuersatz)}

In anderen Worten erklärt: Wie berechnet man den Mehrwertsteuerbetrag?

Hier eine Veranschaulichung, wie der Mehrwertsteuerbetrag durch mathematische Berechnungen mit den Werten Brutto- und Nettobetrag zustande kommt:   \text{Bruttobetrag}-\text{Nettobetrag}=\text{Mehrwertsteuerbetrag}\ \ \text{4,79 Euro}=\text{30,00 Euro}-\text{25,21 Euro}


Den Mehrwertsteuerbetrag können Sie auf zweierlei Arten berechnen. Wenn Brutto- und Nettobetrag bekannt sind, funktioniert es mit der folgenden Formel: \text{Mehrwertsteuerbetrag}=\text{Bruttobetrag}-\text{Nettobetrag}\ \ \text{3,80 Euro}=\text{23,80 Euro}-\text{20,00 Euro}


Sind Nettobetrag und Mehrwertsteuersatz bekannt, verwenden Sie diese Formel: \text{Mehrwertsteuerbetrag}=\text{Nettobetrag}\times\text{Mehrwertsteuersatz}\ \ \text{3,80 Euro}=\text{20,00 Euro}\times\text{0,19}


Die Berechnung des Bruttowertes erfolgt dann einfach durch Addition von Nettowert und Mehrwertsteuerbetrag. \text{Bruttobetrag}=\text{Nettobetrag}+\text{Mehrwertsteuerbetrag} \ \ \text{23,80 Euro}=\text{20,00 Euro}+\text{3,80 Euro}


Der Umrechnungsfaktor 0,19 bzw. 1,19 wird für den Umsatzsteuersatz von 19 % verwendet. Sollen Zahlenwerte für den ermäßigten Steuersatz von 7 % berechnet werden, wird der Faktor 0,07 bzw. 1,07 genutzt.

Privatpersonen und Mehrwertsteuer

In der Regel kümmert man sich als Endverbraucher nicht um die Umsatzsteuer. Im Supermarkt oder beim Online-Shopping rechnet der Händler ja automatisch die Mehrwertsteuer drauf. Das ist auch so auf jeder Rechnung vermerkt, denn der Händler muss die Umsatzsteuer ausweisen und an das Finanzamt abführen.

Manchmal aber lässt man sich von Handwerkern oder Dienstleistern ein Angebot erstellen – beispielsweise, weil die Heizung kaputt gegangen ist und man sie reparieren lassen will. Oder man möchte seinen Geburtstag ein wenig größer feiern und mietet für die Party einen Raum und bestellt bei einem Caterer obendrein Essen und Getränke.

Wenn man sich hierfür ein Angebot geben lässt, kalkuliert der Anbieter seinen Preis ohne Umsatzsteuer. Warum? Er schlägt auf seine Kosten (Lohn, Waren) einen bestimmten Prozentsatz oder Faktor auf und errechnet sich den Netto-Preis. Ihn interessiert schließlich nur der Nettopreis, denn von der Umsatzsteuer „hat er ja nichts“ – er muss sie direkt an das Finanzamt weitergeben.

Als Verbraucher müssen Sie aber den Bruttopreis bezahlen. Das kann zu Missverständnissen führen, wenn Ihnen mündlich der Nettopreis genannt wird, den der Handwerker oder Dienstleister im Kopf hat, auf der Rechnung aber der Bruttobetrag erscheint, weil die Mehrwertsteuer noch oben drauf kommt. Können Sie diese Mehrwertsteuer zurückbekommen? Leider nein, siehe nächster Abschnitt.

Kann ich als Privatperson die Mehrwertsteuer zurückbekommen?

Sie sind Privatperson und haben eine Rechnung vom Handwerker, einem Veranstaltungsort (Raummiete) oder einem Hotel und fragen sich, ob Sie die Mehrwertsteuer vom Finanzamt zurückerstattet bekommen? Leider nein! Alle Waren und Dienstleistungen, die Sie als Endverbraucher kaufen, sind mit 7 % oder 19 % Umsatzsteuer belegt und werden nicht erstattet.

Anders sieht es aus, wenn Sie zum Beispiel im Urlaub außerhalb der EU einkaufen. Dann können Sie sich die Mehrwertsteuer zurückerstatten lassen (Kassenzettel aufbewahren und am Flughafen des jeweiligen Landes am Tax-Free-Schalter die Mehrwertsteuer auszahlen lassen).

Um die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie abzufedern, gilt vom 01.07.2020 bis zum 31.12.2020 eine Senkung der Mehrwertsteuer. Der Standard-Mehrwertsteuersatz wird dabei von 19 Prozent auf 16 Prozent, der ermäßigte Satz von 7 Prozent auf 5 Prozent gesenkt.

Was sind die genauen Effekte? Wer profitiert davon – Verbraucher, Anbieter, oder gar beide? Wie findet man als Verkäufer neue „schöne“ Schwellenpreise wie 1,99 €? Auf dieser Seite finden Sie einen Rechner und eine ausführliche FAQ zur Mehrwertsteuersenkung

Szenario I: Anbieter gibt die Mehrwertsteuersenkung zu 100 % an Verbraucher weiter (Verkaufspreis wird angepasst)

ArtikelAlter VerkaufspreisNeuer VerkaufspreisKonsument spart
Der neue VW Golf19.995,00 €19.490,92 €504,08 €
Apple iPhone 11799,00 €778,86 €20,14 €
Billy-Regal von Ikea39,00 €38,02 €0,98 €
Porsche 911106.352,00 €103.670,86 €2.681,14 €
Kerrygold Butter2,49 €2,44 €0,05 €
Kasten Warsteiner14,99 €14,71 €0,28 €

Szenario II: Anbieter gibt die Mehrwertsteuersenkung nicht an Verbraucher weiter (Verkaufspreis bleibt gleich)

 Verkaufspreis unverändertProduzent macht mehr Gewinn
Der neue VW Golf19.995,00 €434,55 €
Apple iPhone 11799,00 €17,36 €
Billy-Regal von Ikea39,00 €0,85 €
Porsche 911106.352,00 €2.311,33 €
Kerrygold Butter2,49 €0,04 €
Kasten Warsteiner14,99 €0,27 €
Diese Infografik kostenfrei downloaden und nutzen.

Mehrwertsteuersenkungen: Theorie und Praxis

In der Theorie führt eine Senkung der Mehrwertsteuer zu niedrigeren Verkaufspreisen. Konsumenten greifen zu, statt das Geld auf dem Sparkonto zu lassen. Soweit zumindest die Theorie. In der Praxis zogen in der Vergangenheit vor allem aber die Anbieter einen finanziellen Nutzen aus Steuersenkungen.  Die Verkaufspreise blieben gleich, die Steuerersparnis wurde nicht an Verbraucher weitergereicht.

Tampon Tax

Jüngstes Beispiel ist die so genannte „Tampon Tax“, die im November 2019 nach massivem Druck durch Medien und Verbraucherschutz eine Senkung der Mehrwertsteuer für Hygieneprodukte eingeführt wurde.

Mit der Mehrwertsteuersenkung von 19 auf 7 Prozent wurde ein wichtiges Zeichen gesetzt: Tampons, Binden und Co. gelten fortan nicht mehr als Luxusartikel, sondern als Produkte des täglichen Grundbedarfs. Die Ankündigung der Steuersenkung ab dem 01. Januar 2020 wurde bundesweit gefeiert.

Doch die Ernüchterung folgte bald: Bis heute ist die Steuersenkung nicht beim Endverbraucher angekommen. Denn pünktlich zum Jahresbeginn erhöhten Hersteller ihre Preise. Um die Margen beizubehalten, reichten Händler die Preise durch. Letztendlich stiegen die Preise für Verbraucher.

Fazit: Die reine Senkung der Mehrwertsteuer heißt noch lange nicht, dass die finanzielle Erleichterung tatsächlich beim Verbraucher ankommt.

FAQ Mehrwertsteuersenkung 2020

Welches Datum gilt bei der Mehrwertsteuersenkung: Leistungszeitraum, Lieferdatum, Leistungserbringung?

Entscheidend für die Berechnung der Mehrwertsteuer ist der Zeitpunkt, zu dem sie laut Gesetz entsteht. Die geringeren Mehrwertsteuersätze von 16 % und 5 % gelten nur dann, wenn eine Leistung zwischen dem 1.7.2020 und dem 31.12.2020 vollständig erbracht oder eine Ware geliefert wird. Abschnitt 13.1. des Umsatzsteuer-Anwendungserlasses (UStAE)
regelt die Einzelheiten.

Bei Lieferungen aller Art (Warenlieferung oder Werklieferung) ist der Zeitpunkt ausschlaggebend, an dem der Empfänger Verfügungsmacht über die Lieferung erhält. Wird die Lieferung verschickt (bewegte Lieferung), gilt das Versanddatum oder der Beförderungsbeginn. Bei einer Werklieferung erfolgt die Übergabe der Verfügungsmacht in der Regel mit der Abnahme durch den Empfänger.

Bei Dienstleistungen und Werkleistungen gilt das Datum, an dem die Leistung vollständig erbracht ist. Dieselbe Regelung gilt für abgeschlossene Teilleistungen, die mit dem Kunden vereinbart sind.

Anzahlungen, die mit einem anderen Mehrwertsteuersatz geleistet wurden als die Abschlusszahlung, müssen neu berechnet werden.

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Mehrwertsteuersenkung und Auto-Leasing: Müssen die Leasingverträge jetzt angepasst werden?

Bei bestehenden Leasing-Verträgen von Autos oder anderen Fahrzeugen ist für die Teilzahlungen zwischen dem 1.7.2020 und dem 31.12.2020 eine Anpassung an die geringeren Mehrwertsteuersätze erforderlich. Die Leasingrate wird also günstiger.

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Welche Kulanzregelungen gibt es bei der Mehrwertsteuersenkung? Welche Ausnahmen gelten?

Die neuen, verringerten Steuersätze sind für alle verbindlich, die verpflichtet sind, Mehrwertsteuer auszuweisen. Damit die kurzfristige Änderung nicht zu einer übermäßigen Belastung der Unternehmen und Gewerbetreibenden führt, sind Kulanzregelungen möglich.

Hierzu zählen beispielsweise:

In der Nacht zur Steueränderung können Taxifahrer und Gaststättenbetreiber vereinfachte Regelungen in Anspruch nehmen.

Erbringer von Dauerleistungen haben einen gewissen Spielraum bei der Festlegung der Abrechnungszeiträume.

Geschäfte können die temporäre Preissenkung in Form eines pauschalen Rabatts an ihre Kundschaft weitergeben, ohne die Preisauszeichnung zu ändern. Preise/Preisschilder/Speisekarten müssen also nicht neu ausgezeichnet werden, sondern die Mehrwertsteuersenkung kann einfach in der Rechnung reduziert werden. Weitere Infos.

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Gilt die Mehrwertsteuersenkung auch für bereits laufende Verträge?

In bestimmten Fällen kann die Mehrwertsteuersenkung für laufende Verträge gelten. Dies hängt von der Art des Vertrags ab und davon, zu welchem Zeitpunkt eine Leistung erbracht wird oder eine Lieferung erfolgt. Fällt der Abrechnungszeitpunkt in den Zeitraum der Mehrwertsteuersenkung, muss diese ausgewiesen werden. Bei langfristigen Verträgen kann eine Einzelfallprüfung klären, ob oder in welcher Form eine Anpassung erforderlich ist.

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Wie werden Preise in Versicherungsverträgen beeinflusst? Werden Versicherungen billiger?

Auf Versicherungsverträge wird keine Mehrwertsteuer erhoben, sondern die Versicherungssteuer. Diese wird durch das Versicherungsteuergesetz (VersStG) festgesetzt. Nach Ansicht des Bundesfinanzhofs liegt bei der Versicherungssteuer keine Form der Mehrwertsteuer vor (Az. V B 119/09).

Daher hat die Steuersenkung keinen Einfluss auf Versicherungsverträge.

Die Sachlage ist anders, wenn Versicherungsleistungen eingefordert werden, für die eine Mehrwertsteuer anzusetzen ist. Dies geschieht zum Beispiel im Rahmen einer Schadensregulierung. Dann gilt für den Zeitraum der Steuersenkung der niedrige Mehrwertsteuersatz.

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Mehrwertsteuersenkung und Mieten: Müssen Mietverträge an Privatpersonen jetzt angepasst werden? Wie sieht es mit gewerblichen Immobilien aus?

Private Mietverträge sind grundsätzlich umsatzsteuerfrei. Mieten werden also nicht billiger.

Bei Gewerbeimmobilien kann der Vermieter unter bestimmten Umständen eine Option zur Umsatzsteuerzahlung geltend machen. Falls ein Mietvertrag eine Vereinbarung zur Umsatzsteuerzahlung erhält, muss diese für den Zeitraum der Steuersenkung angepasst werden.

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Wie sieht es mit dem öffentlichen Nahverkehr aus? Gilt es nur für die Bahn und Fernreisen, oder auch für Nahverkehr, S-Bahn, U-Bahn und Busse? Wie sieht es mit Anbietern wie Flixbus aus?

Die Ticketpreise für Busse und Bahnen enthalten Mehrwertsteuer. Somit betrifft die Steuersenkung sowohl die öffentlichen Träger als auch private Anbieter. Ob diese die Ticketpreise zwischen Juni und Dezember 2020 senken, ist eine Geschäftsentscheidung der Unternehmensführung.

Bei der Durchführung der Steuersenkung gibt es in dieser Branche eine Besonderheit: Im Gegensatz zu Rechnungen und Quittungen müssen Fahrttickets gemäß § 34 Umsatzsteuerdurchführungsverordnung (UstDV) die enthaltene Mehrwertsteuer nicht in jedem Fall ausweisen.

Taxifahrten werden billiger.

Die Deutsche Bahn gibt die Mehrwertsteuersenkung weiter. Bahn-Tickets werden billiger.

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Gilt die Mehrwertsteuersenkung auch für stationäre Händler wie Ikea und Media Markt oder nur Online-Shops wie Amazon?

Die Senkung der Mehrwertsteuer betrifft alle Händler. Es ist unerheblich, ob der Verkauf von Waren in einem Geschäft vor Ort stattfindet oder über einen Online-Shop abgewickelt wird. Preise in Online-Shops werden billiger. Preise in Ladengeschäften werden günstiger.

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Für welche Bereiche gilt die Mehrwertsteuersenkung? Welche Branchen sind ausgenommen?

Die Senkung der Mehrwertsteuer gilt für alle Bereiche der Wirtschaft. Lediglich Unternehmer und Branchen, die eine Umsatzsteuerbefreiung haben, sind davon nicht betroffen. Das sind vor allem Kleinunternehmer, deren Umsatz unterhalb bestimmter Grenzen liegt. Von der Umsatzsteuer befreien lassen können sich außerdem Institutionen aus den Bereichen Kultur und Bildung. Zudem gibt es umsatzsteuerfreie Umsätze, beispielsweise im Gesundheitswesen.

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Ist die Mehrwertsteuersenkung freiwillig oder eine Pflicht? Oder muss sie angewendet werden?

Ja, die Mehrwertsteuersenkung ist verpflichtend. Auf Rechnungen und Quittungen muss der verminderte Mehrwertsteuersatz ausgewiesen werden. Es besteht jedoch keine Verpflichtung, die Steuersenkung durch entsprechend geringere Endpreise an die Kunden weiterzugeben. Im Rahmen der üblichen Preisgestaltung steht es Unternehmen, Dienstleistern und Geschäftstreibenden frei, ihre Preise beizubehalten und dadurch ihre Gewinnspanne zu erhöhen.

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Gilt die Mehrwertsteuersenkung auch für Freiberufler und Selbstständige? Müssen Rechnungen jetzt geändert werden?

Die Mehrwertsteuersenkung betrifft alle, die umsatzsteuerpflichtig sind. Sie müssen ihre Rechnungen im 2. Halbjahr 2020 entsprechend anpassen. Freiberufler und Selbstständige können unter bestimmten Umständen von der Umsatzsteuer befreit sein. Wenn dies der Fall ist, wirkt sich die Senkung der Mehrwertsteuer nicht auf ihre berufliche Tätigkeit aus.

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Gilt die Mehrwertsteuersenkung auch für Energieversorger? Wird Strom jetzt billiger?

Energieversorger müssen zwischen dem 1.7.2020 und dem 31.12.2020 den ermäßigten Steuersatz berücksichtigen. Dadurch sinkt bei laufenden Verträgen der Strompreis für diesen Zeitraum. Damit die Abrechnung korrekt erfolgt, muss der Zählerstand an den beiden Stichtagen abgelesen werden.

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Gilt die Mehrwertsteuersenkung auch für den Autokauf? Auch für Verbrenner oder nur für E-Autos?

Die Steuersenkung gilt für den Erwerb von Autos jeglichen Typs, ganz gleich, ob es sich um Benziner, Dieselfahrzeuge oder E-Autos handelt. Entscheidend ist der Lieferungszeitpunkt.

Wenn er in den Zeitrahmen der Mehrwertsteuersenkung fällt, wird der geringere Steuersatz berechnet. Für importierte Neufahrzeuge aus EU-Ländern gilt der aktuelle Steuersatz am Wohnsitz des Käufers. Deswegen ist die Steuersenkung auch für diese Form des Autokaufs relevant.

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Ab wann genau gilt die Mehrwertsteuersenkung? Bis wann gilt sie?

Die Mehrwertsteuersenkung tritt am 1.7.2020 in Kraft und gilt bis einschließlich 31.12.2020. Danach werden wieder die ursprünglichen Mehrwertsteuersätze von 19 % und 7 % erhoben.

Eine Ausnahmeregelung betrifft die Gastronomie. Hier gilt bis zum 30.6.2021 ein ermäßigter Steuersatz von 7 % auf Speisen. Dieser gilt nicht nur für Restaurants und Gaststätten, sondern beispielsweise auch für Bäckereien, die Backwaren für den Verzehr im Geschäft anbieten. Mehr Informationen hier.

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Gilt die Mehrwertsteuersenkung auch für Handwerk und Hausbau? Was ist dabei zu beachten?

Die Mehrwertsteuersenkung gilt für alle Waren und Dienstleistungen im Bereich Handwerk und Hausbau. Sie stellt Handwerker vor die Aufgabe, die Mehrwertsteuer ihren Kunden gegenüber korrekt für den Rechnungszeitpunkt auszuweisen.

Im Rahmen größerer oder langfristiger Projekt kann es deswegen zu umständlichen Neuberechnungen kommen. Außerdem ist es möglich, dass für das ursprüngliche Angebot, die Arbeitsleistungen, die Verrechnung von Anzahlungen und die Kosten für verwendete Materialien unterschiedliche Steuersätze auszuweisen sind.

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In welchem Gesetz ist die Mehrwertsteuersenkung festgehalten?

Die Absenkung der Mehrwertsteuer für einen Zeitraum von sechs Monaten ist Teil des Zweiten Corona-Hilfegesetzes.

Der Gesetzentwurf umfasst eine Anzahl von Maßnahmen, die die Konjunktur stützen und die Erholung der Wirtschaft fördern sollen. Eine der Maßnahmen ist die befristete Umsatzsteuersenkung.

Die Steuer wird üblicherweise auf Quittungen und Rechnungen als Mehrwertsteuer (MwSt.) ausgewiesen.
Das Gesetzesvorhaben der Regierung wurde in der Kabinettssitzung vom 12.06.2020 beschlossen.
Die erforderliche Zustimmung von Bundesrat und Bundestag sollen in Rahmen von Sondersitzungen Ende Juni 2020 erfolgen. Nur dann kann die Mehrwertsteuersenkung wie geplant am 1.07.2020 in Kraft treten.

Das Gesetz findet sich hier.

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Warum wurde die Mehrwertsteuer gesenkt?

Als Reaktion auf die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise, hat der Gesetzgeber eine temporäre Senkung der Mehrwertsteuer beschlossen. Was es dabei zu beachten gibt und wie man davon profitieren kann, erfahren Sie hier.

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Sinken die Preise für Verbraucher?

Für Verbraucher lautet die Antwort: ja. Das gilt zumindest theoretisch. Alle Waren oder auch Dienstleistungen werden ab Juli mit nur noch 16 %, statt der üblichen 19 % besteuert.

Im Falle des vergünstigten Steuersatzes wird eine Absenkung von 7 % auf nur noch 5 % durchgesetzt. Ob davon am Ende auch der Kunde profitiert, hängt jedoch davon ab, ob der jeweilige Anbieter die Preissenkung auch weitergibt.

Mehrere etablierte Einzelhandelsketten haben dies trotz steigender Lebensmittelpreise bereits bestätigt. In den Branchen, die besonders hart von den durch die Corona-Krise verursachten Einnahmeeinbrüchen betroffen sind, wird es wohl anders aussehen.

Insbesondere Gastronomen werden die Mehrwertsteuersenkung mit hoher Wahrscheinlichkeit dafür nutzen, die Ausfälle darüber zu kompensieren.

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Wann kaufen? Ist es sinnvoll, jetzt zu kaufen? Also größere Ausgaben wie Auto, Waschmaschine etc jetzt vorzunehmen?

Die niedrigere Mehrwertsteuer kommt in erster Linie dem Endverbraucher entgegen. Gerade bei Gütern mit einem hohen Anschaffungswert, lässt sich deshalb mitunter viel Geld sparen.

Wer z.B. den Kauf eines neuen Autos erwägt, sollte diesen in das zweite Halbjahr dieses Jahres verschieben. Ein Beispiel: Ein Neuwagen, der bislang für 30.000 Euro zu haben war, dürfte dank des reduzierten Steuersatzes nur noch 29.243,69 Euro kosten.

Das sind immerhin 750 Euro Ersparnis – genug für einen schönen Urlaub. Abhängig ist man auch hier davon, ob der Händler des Vertrauens auch tatsächlich den Preis entsprechend senkt.

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Umtausch: Wie ist die Lage, wenn ich eine Ware im Juli umtausche, die ich noch zum Mehrwertsteuersatz von 19 % gekauft habe?

Im Falle einer Rückgabe oder eines Umtausches werden auch die 19 % Mwst. revidiert. Das Ersatzprodukt gilt dann als neue Lieferung zum Steuersatz von 16 %. Unter Umständen können Sie also einen besseren Preis für das gleiche Produkt erzielen.

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Wie viel Geld spart man durch die Mehrwertsteuersenkung wirklich?

3 % bzw. bei Lebensmitteln 2 %? Nicht ganz. Die tatsächliche Ersparnis beläuft sich auf 2,5 % oder bei Lebensmitteln auf etwa 1,9 %. Betrug der alte Preis z. B. 119 Euro inkl. Mehrwertsteuer, sind es mit neuem Steuersatz nur noch 116 Euro – ein Unterschied von 3 Euro. Das sind 2,5 % weniger.

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Wie sieht es mit fortlaufenden Kosten aus? Werden z. B. Leasing- oder Langzeitverträge günstiger?

Bei solchen Dauerleistungen müssen die Verträge für die Zeit zwischen dem 01. Juli und dem 31. Dezember 2020 angepasst werden. Die niedrigere Mehrwertsteuer gilt auch für fortlaufende Kosten, womit sich hier in jedem Fall bares Geld sparen lässt.

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Werden Abos günstiger?

Saisonkarten bzw. Abonnements können normalerweise nicht in mtl. Teilleistungen aufgeteilt werden. Erst am Ende der Laufzeit gilt diese als ausgeführt, weshalb der dann geltende Steuersatz entscheidend ist. Eine Laufzeit, die etwa im Februar begonnen hat, wird erst im Januar 2021 enden und komplett zu 19 % besteuert.

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Was gilt für Anzahlungen, die ich z. B. für einen Handwerker geleistet habe?

Wer vor Juli ein Angebot eingeholt und bereits einen Teilbetrag angezahlt hat, obwohl die Leistung erst im Laufe des zweiten Halbjahres erbracht wird, kann ebenfalls sparen. Sofern die einzelnen Posten in der Rechnung aufgeführt sind, muss der Mehrwert- bzw. Umsatzsteuersatz angepasst werden. Die ausgewiesenen 19 % werden also in 16 % umgewandelt.

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Werden Reisen, Hotel und Urlaub günstiger?

Ich befinde mich über den 1. Juli hinweg auf Geschäftsreise oder im Urlaub. Muss das Hotel mir zwei Rechnungen ausstellen und zahle ich für die Übernachtungen ab dem 01.07. dann weniger?

Hotelgäste erhalten immer nur eine Rechnung mit einheitlichem Steuersatz für ihren Aufenthalt. Ob dabei 19 % oder 16 % gelten, hängt vom Abreisedatum ab. Wer noch im Juni eincheckt und bis in den Juli hinein im Hotel bleibt, zahlt für die gesamte Dauer den reduzierten Satz von nur 5 statt 7 %.

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Für Unternehmer ist die Mehrwertsteuer lediglich ein durchlaufender Kostenfaktor. Profitieren sie dennoch vom niedrigeren Steuersatz und sollten die Zeit für Betriebsausgaben und Investitionen nutzen?

Unternehmer können bei ihren Betriebsausgaben leider nicht profitieren. Achten sollte man allerdings darauf, dass man die USt. in seinen Rechnungen für das zweite Halbjahr anpasst.

Vorsichtshalber empfiehlt es sich zudem, bei Rechnungen von Zulieferern u. ä. darauf zu achten, dass diese ebenfalls auf den temporär niedrigeren Mehrwertsteuersatz umgestellt haben.

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Worauf müssen Unternehmer sonst noch achten? Was muss im Hinblick auf die Buchhaltung bei der Senkung der Mehrwertsteuer beachtet werden?

Der Aufwand für Unternehmer ist tatsächlich nicht zu unterschätzen. Bestehende Verträge müssen geändert und die Buchhaltung umgestellt werden. Zudem ist eine aktualisierte Software für Kassensysteme notwendig. Dass das nicht überall fehlerfrei vonstatten geht, ist zu erwarten.

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Mehrwertsteuersenkung und Umstellung von Preisen an der Kasse

Was für den Endverbraucher ein Geschenk ist, stellt die Unternehmen vor große Probleme. Ladengeschäfte benötigen vom Hersteller eine neue Software für ihre Kassen. Auch sämtliche Waren benötigen neue Preisschilder. Letzteres kann man aber umgehen, indem an der Kasse einfach ein pauschaler Rabatt gewährt wird.

Juristisch ist nur wichtig, dass auf dem Bon der korrekte Prozentsatz bei der Mehrwertsteuer angegeben ist. Das kann bereits viel Arbeit sparen.

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Angebote und Verträge

Wie beim Verfassen von Verträgen und Angeboten vorgegangen werden soll, bleibt weiterhin fraglich. Gerade das Baugewerbe sieht die Änderung der Mehrwertsteuer wegen des bürokratischen Aufwands deshalb besonders kritisch und äußert Zweifel an der Sinnhaftigkeit des Mehraufwands.

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Restaurants

Im Lebensmittelhandwerk haben wir es mit einem besonderen Fall zu tun. Bei ihren Kunden können sie in den folgenden Monaten mit deutlichen Preissenkungen punkten. Sowohl für den Verkauf außer Haus als auch für vor Ort verzehrte Speisen und Getränke gilt sechs Monate lang der ermäßigte Steuersatz von 16 %. Allerdings sind die Kassen dafür noch häufiger umzustellen als es in anderen Branchen der Fall ist.


Hier sieht der aktuelle Stand so aus:
Vom 01.07. bis zum 31.12.2020 werden statt der üblichen 19 % Mwst. nur noch der ermäßigte und angepasste Satz von 5 % fällig. Lediglich Getränke werden mit gängigem Mehrwertsteuersatz verkauft, welcher aber immerhin nur 16 anstelle von 19 % beträgt.

Vom 01. Januar kommenden Jahres bis zum 30. Juni sind auf Speisen, die im Lokal verzehrt werden 7 % fällig. Erst danach gelten wieder die üblichen 19 % Mwst. für sämtliche Bestellungen.

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Informationen zu Leistungsdatum, Leistungszeitraum, Lieferdatum

Lieferung von Waren: Hier ist der Zeitpunkt entscheidend, an dem die Beförderung an den jeweiligen Kunden beginnt.
Dienstleistungen: Bei Dienstleistungen aller Art ist das Datum maßgeblich, an dem die Leistung erbracht bzw. abgeschlossen wird. Eine im Juli ausgestellte Rechnung für eine im Juni in Anspruch genommene Leistung muss deshalb noch die 19 % Mwst. enthalten. Für Teilleistungen gilt Entsprechendes.

Werkleistungen und -lieferungen: Entscheidend für die Höhe der Mwst. ist hier das Datum der Abnahme.
Anzahlungen: Unabhängig vom Zahldatum, ist bei Anzahlungen immer der Zeitpunkt maßgeblich, zu dem die Leistung vereinnahmt wird. Dennoch muss auch bei solchen Leistungen, die im zweiten Halbjahr 2020 erfolgen zunächst 19 bzw. 7 % angesetzt werden. Erst in der Schlussrechnung und natürlich in der USt.-Voranmeldung ist der Satz entsprechend zu korrigieren.

Verträge: Bereits abgeschlossene Miet- und Wartungsverträge müssen neu geprüft werden, da diese als Rechnung gelten. Von Bedeutung ist hier, wie die genaue Formulierung aussieht und ob es sich um Netto- oder Bruttobeträge handelt.

Angebote: Wer ein Angebot vor dem 01.07. eingeholt hat, in dem die Einzelposten benannt und Nettobetrag sowie Mwst. separat aufgeführt sind, soll lt. Isabel Klocke vom Steuerzahlerbund Geld sparen können. Denn das beauftragte Unternehmen muss ab Juli auf den geringeren Satz von 16 % umstellen.
Probleme sind im Bereich der Bauleistungen zu erwarten.

In der Praxis liegen hier selten die Voraussetzungen vor, die bei Teilleistungen gelten. Zwar werden generell einzelne wirtschaftlich abzugrenzende Leistungen erbracht. Meist mangelt es jedoch an einer konkreten Vereinbarung bzgl. Teilleistungen und einer entsprechenden Abnahme, die steuerlich wirksam ist. Abhängig von der jeweiligen Situation kann sich dieser Umstand sowohl positiv wie negativ für den Empfänger auswirken.

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Teilleistungen

Bei früheren Änderungen der USt. hat die Finanzverwaltung nicht beanstandet, wenn innerhalb eines Vertrages keine Absprachen über Teilleistungen vereinbart wurden, sofern diese noch vor dem Inkrafttreten nachgeholt werden konnte.

Trotzdem ist zu empfehlen, bei Teilleistungen, die noch nicht vor dem 01.01.2021 abgeschlossen werden, Vereinbarungen über die wirtschaftlich eigenständigen und bis dahin vollendeten Leistungen zu treffen. Fallen einheitliche Bauleistungen in den Zeitraum vom 01.07. bis 31.12.2020, sind diese zu 16 % zu versteuern.

Falls gegenüber einem Leistungsempfänger, welcher nicht vorsteuerabzugsberechtigt ist, Leistungen ausgeführt werden, sollte die Vollendung möglichst im zweiten Halbjahr stattfinden, um den Kunden zu entlasten.

Ein Beispiel: „Vereinbarung zur Ausführung von Teilleistungen“

Im Jahr 2019 erteilt ein Bauherr seinem Generalunternehmer den Auftrag, auf seinem Grundstück ein Einfamilienhaus zu errichten. Es folgt eine steuerpflichtige Werklieferung durch den Generalunternehmer. Mit der offiziellen Abnahme fällt die USt. an.

Fällt der Moment der Fertigstellung auf einen Tag zwischen dem 1. Juli und 31. Dezember 2020, gilt deshalb der Satz von 16 % für die gesamten Kosten des Projekts – auch für die Leistungen, die bereits vorher erbracht worden sind.

Deutet sich an, dass der Hausbau erst später abgeschlossen sein wird, sollte man deshalb unbedingt rechtzeitig eine Vereinbarung hinsichtlich der Teilleistungen treffen, für die noch der Steuersatz von 16 % angesetzt werden kann.

Während der Generalunternehmer davon nicht finanziell profitiert, geht es für den Bauherren dabei um viel Geld.

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