Faktencheck: Retten Vegetarier unser Klima? Dieser Veggie-Rechner zeigt es

Die vegetarische und vegane Ernährungsweise ist deutlich ressourcenschonender als eine karnivore. Doch was genau bedeutet Ihr bewusster Konsum in Zahlen? Mit dem Veggie-Rechner von blitzrechner.de finden Sie ganz einfach heraus, wie viele Tierleben Sie schon geschont und wie viele Ressourcen Sie gespart haben.

Ihre Fleischlos-Bilanz: Der Veggie-Rechner

Wie viele Tierleben haben Sie schon verschont, wie viel CO2 und wie viel Antibiotika gespart? Errechnen Sie Ihren positiven Einfluss auf Klima und Tiere.

Mehr zum Rechner und zu den Hintergründen erfahren Sie hier. Sie wollen Ihren (noch) Fleisch essenden Freunden zeigen, wie viele Tierleben und Ressourcen sie bei einer Umstellung ihrer Ernährung schonen könnten? Dann bitte hier entlang zu diesem Rechner.

Fast Facts: So schadet Fleischkonsum Klima und Tieren

Sicher kennen Sie die Zahlen längst – dennoch ist es manchmal ganz gut, sich das ganze Ausmaß des Fleischkonsums noch einmal vor Augen zu führen:

  • Jeder Deutsche konsumiert pro Jahr über 60 Kilogramm reines Fleisch
  • Der CO2 Ausstoß, der in diesen 10 Jahren verursacht wird, beträgt pro Kopf 5.785 kg
  • Massentierhaltung verursacht Tierleid und ist unnatürlich – das zeigen allein die Mengen an Antibiotika, die eingesetzt werden müssen

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Vegetarische/vegane Ernährung deutlich ressourcenschonender

Man hört es immer wieder, das Totschlagargument gegen die vegetarische oder vegane Ernährung: Wer als Vegetarier oder Veganer Fleischersatzprodukte konsumiert, schadet dem Klima genauso wie Fleischesser. Vor allem Sojaprodukte wie Tofu sollen echte Klimakiller sein. Doch stimmt das überhaupt?

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Kurz und knapp: Jein.

Zur Rodung: Teilweise werden tatsächlich Regenwälder gerodet, um Anbauflächen für Soja zu schaffen, das anschließend vom Menschen konsumiert wird. Daher sollten Sie bei Soja-Produkten darauf achten, dass diese aus nachhaltigem Anbau oder aus Europa stammen. Eine Übersicht finden Sie beim Sojaförderring.

Antibiotika: Im Gegensatz zur Fleischherstellung werden bei der Produktion von Sojaprodukten wie Tofu keine Antibiotika eingesetzt.

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CO2: Der CO2-Ausstoß ist deutlich geringer. Deshalb ist dem Weltklima auch dann geholfen, wenn man das Fleisch auf seinem Teller durch Tofu oder vergleichbare pflanzliche Proteinquellen ersetzt. Wenn jeder Fleischesser beispielsweise die Hälfte aller Fleischmahlzeiten durch pflanzliche Proteinquellen ersetzen würde, hätte Deutschland seine Klimaschutzziele für 2020 womöglich längst erreicht.

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Wie schätzen Sie die Zukunft der Ernährung ein? Und welche Rolle spielt Spielt Soja dabei?

„Fleisch ist die neue Zigarette“ – so lautet die Aussage des Geschäftsführers des größten Wurstherstellers Rügenwalder in einem Interview der Zeitung die Welt. Der Fleischkonsum in Deutschland wird sich in den kommenden Jahren und Jahrzehnten reduzieren. Der weltweite Fleischkonsum wird sich zukünftig allerdings stark erhöhen, da die weltweit zunehmende Mittelschicht mehr tierische Proteine konsumieren möchte.

Soja als Nahrungsmittel wird in der Ernährung als gesunde und umweltverträgliche Alternative zu Fleisch eine immer größere Rolle spielen.

Markus Wolter, WWF Deutschland

Die 3 schlimmsten Stammtischargumente – und wie Sie sich dagegen wehren

„Na gut, dann ist Nicht-Fleischessen gut für die Umwelt, dafür aber total ungesund, oder?“ „Vegetarier sind blass und dünn – und von Veganern wollen wir gar nicht erst anfangen, die sind ja alle mangelernährt.“ Kennen Sie diese Vorurteile? Wir haben die TOP 3 der Stammtischargumente gegen Vegetarismus und Veganismus zusammengestellt und liefern gleich die passenden Antworten dazu.

Sie kennen noch mehr dieser Vorurteile? Hinterlassen Sie uns einen Kommentar und wir nehmen Ihr Stammtischargument vielleicht mit in unsere Liste auf!

  1. Vegetarier/Veganer bekommen zu wenig Protein über die Ernährung
    Proteine liefern wertvolle Aminosäuren, die für grundlegende Funktionen des menschlichen Körpers benötigt werden. Deshalb sind sie wichtig. Allerdings ist der Proteinbedarf bei vielen Menschen bei weitem nicht so hoch wie gedacht: Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) gibt die folgenden Richtwerte an: Erwachsene zwischen 19 und 65 Jahren sollen 0,8 g Protein/kg Körpergewicht pro Tag zu sich nehmen, ab 65 Jahren gilt ein Schätzwert von 1,0 g/kg Körpergewicht pro Tag. Lediglich Sportler haben einen erhöhten Proteinbedarf von ca. 1,3 bis 1,5 g pro kg Körpergewicht (hier variieren die Angaben und Meinungen). Doch selbst dieser erhöhte Bedarf kann gedeckt werden. Für Vegetarier ist es ganz einfach, Protein über die Nahrung zu beziehen, denn sie können auch Proteinbomben wie Harzer Käse (27 g Eiweiß pro 100 g) zu sich nehmen. Aber es gibt auch viele rein pflanzliche Proteinquellen. Ein Erwachsener mit 70 kg Körpergewicht bräuchte laut DGE 56 g Eiweiß am Tag, damit sein Körper optimal funktioniert. Dieser ist mit zwei Händen voll roter Bohnen beispielsweise bereits gedeckt. Mehr Tipps zum Thema Protein finden Sie hier.
  2. Vegetarier/Veganer haben Vitamin-B12-Mangel
    Es ist richtig, dass Vitamin-B12 beinahe ausschließlich in tierischen Lebensmitteln vorkommt. Ausnahmen bilden Lebensmittel wie Sauerkraut – allerdings schwanken die Werte in solchen Produkten, sodass kein Verlass auf ausreichende Vitamin-B12-Zufuhr ist. Deshalb sollten Vegetarier und vor allem Veganer B12 substituieren, das heißt, als Nahrungsergänzungsmittel zusätzlich aufnehmen. Der Bedarf eines Menschen ab 15 Jahren liegt laut DGE-Schätzwert bei 4,0 µg pro Tag. Diese wären beispielsweise mit 100 g Rindfleisch gedeckt. Milchprodukte und Eier müsste man bereits kombinieren oder in größeren Mengen verzehren, um diesen Wert zu erreichen.
  3. Vegetarier/Veganer sind schwächer als Fleischesser, da sie nicht so gut Muskeln aufbauen können
    Diese Aussage widerlegt „der stärkste Mann Deutschlands“ eindrucksvoll: Der Strongman Patrik Baboumian kann Autos hochheben – und er ist Veganer. Doch damit bildet er keine Ausnahme. Auch andere bekannte Kraftsportler, vom Fitnessmodel bis zum Powerlifter, leben vegan. Selbst Bodybuilding-Legende Arnold Schwarzenegger setzt sich für eine vegane Lebensweise ein.

Vegetarisch vs. vegan: Wie ändert sich die Bilanz?

Offizielle Definitionen von „vegetarisch“ oder „vegan“ gibt es nicht, die Grenzen zieht jeder für sich: Darf man als Vegetarier noch Gummibärchen essen oder muss man jedes Etikett akribisch nach tierischen Ursprüngen durchforsten – und gegebenenfalls verzichten? Sind Austern vegan oder nicht? Und kann man sich Veganer nennen, wenn man Lederschuhe trägt? Diese Fragen muss jeder für sich beantworten. Was wir jedoch beisteuern können: Fakten zum Konsum von Lebensmitteln tierischen Ursprungs abseits von Fleisch.

Diese Produkte verzehrt jeder Deutsche durchschnittlich pro Kopf und Jahr:

  • Honig: 1,0 kg
  • Milch, Milcherzeugnisse und Käse: 120,9 kg
  • Tierische Fette und Öle: 4,9 kg
  • Eier: 230,0 Stück

Die Top 5 veganen Eiweißquellen

„Veganer bekommen ja gar nicht genug Protein“ – das ist eines der oben genannten TOP3-Argumente, die Veganer beinahe täglich zu hören bekommen. Doch auch Veganer können ihren Proteinbedarf decken, wenn sie es schlau anstellen. Hier sind die Top 5 der veganen Produkte mit dem höchsten Eiweißgehalt pro 100 Gramm. Wer es sich noch einfacher machen möchte, greift einfach zu einem veganen Proteinshake, der ein breites Aminosäurenprofil hat und damit nicht nur „irgendein Eiweiß“ liefert, sondern eine ausgewogene Mischung an Aminosäuren, die der Körper täglich braucht.

  1. Erdnüsse: 26 g Eiweiß pro 100 g
  2. Rote Bohnen: 24 g
  3. Tempeh: 19 g
  4. Kichererbsen: 19 g
  5. Tofu: 10 g

Zum Vergleich: Fleisch hat zwischen 26 und 27 g Eiweiß pro 100 g

Wie Sie Ihre omnivoren Freunde vom Fleischverzicht überzeugen

Ihre Freunde oder Familie sind überzeugte Fleischesser und Sie möchten sie davon überzeugen, vegetarisch oder vegan zu leben? Missionierung und Militanz sorgen eher für Abwehr als Umkehr. Nicht jeder möchte vegetarisch leben. Dennoch können Sie für mehr Bewusstsein sorgen, denn schon ein geringerer Fleischverzehr pro Kopf kann dabei helfen, die negativen Auswirkungen auf Klima und Tiere drastisch zu senken. Niemand muss fünfmal die Woche Fleisch essen. Und niemand braucht Wurstprodukte, um genügend Protein aufzunehmen. Unser Fleischrechner zeigt ganz einfach, wie viele Ressourcen sich einsparen lassen, wenn man beispielsweise auf 50 Prozent seiner wöchentlichen Fleischportionen verzichtet.

>> Zum Fleischrechner

Wie funktioniert der Rechner?

Der Veggierechner berechnet den Ressourcenbedarf, der für die Tierzucht eines durchschnittlichen Fleischessers notwendig ist. Insbesondere wird dabei auf verwendete Futtermittel, Antibiotika und CO2-Ausstoß eingegangen. Im zweiten Schritt wird simuliert, wie viele Ressourcen eingespart werden, wenn diese Fleischmahlzeiten durch vegetarische/vegane Alternativen ersetzen werden.

HIER KLICKEN für alle Daten & Rechenweg des Fleischrechners

Im Falle des Fleischrechners wurde Tofu als vegetarische Alternative gewählt, da Tofu den wohl am bekanntesten Fleischersatz darstellt. Gleichwohl gibt es viele Vegetarier und Veganer, die gar kein Tofu verzehren. Somit wurde Tofu hier nur exemplarisch für die vegetarische Ernährung herangezogen. Statt Tofu hätten auch Hülsenfrüchte oder Gemüse für die Berechnung verwendet werden können.

Verwendete Fleischkonsum-Werte

Der Durschnittsdeutsche verspeist im Jahr ca.:
  • Schwein: 35,6 kg Fleisch
  • Rind: 9,6 kg Fleisch
  • Huhn: 13,1 kg Fleisch

Quellen:

Bundesverband der Deutschen Fleischindustrie, bvdf.de Daten im PDF, Seite 13 + 16

Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft/Bundesinformationszentrum Landwirtschaft, Statistisches Jahrbuch über Ernährung, Landwirtschaft und Forsten 2018, bmel.de Daten im PDF auf Seite 183 – 188, hier auch als XLS

Deutscher Fleischer Verband, Jahrbuch 2019, fleischerhandwerk.de Daten im PDF auf Seite 87

Jedes Tier hat im Durchschnitt (Mittelwert) eine Schlachtmasse von:
  • Schwein: 97,7 kg Fleisch
  • Rind: 330,64 kg Fleisch
  • Huhn: 1,55 kg Fleisch

Quellen:

Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft, Fleisch- und Geflügelwirtschaft in Bayern 2018, PDF

Deutsche Landwirtschafts-Gesellschaft, DLG-Merkblatt 406, PDF

Jedoch landet diese Schlachtmasse nicht auf den Tellern, sondern Teile davon werden anderweitig verwendet oder entsorgt. Wir gehen von folgenden Verwendungskoeffizienten aus:
  • Schwein: 77% der Schlachtmasse
  • Rind: 52,75% der Schlachtmasse
  • Huhn: 73% der Schlachtmasse
Somit kann aus der verspeisten Menge, die Anzahl der ungefähr geschlachteten Tiere berechnet werden:   \text{geschlachtete Tiere}= \\  \frac{\text{(Fleischverzehr in kg)}}{\text{(Schlachtgewicht pro Tier in kg)}\times\text{(Verwendungskoeffizient)}}

Verwendete CO2-Werte

Berechnung des jährlichen CO2-Ausstoßes durch einfache Multiplikation mit dem jährlichen Fleischverzehr: \text{Co2 Aussto}{\ss}= \\  \text{(Fleischverzehr pro Jahr in kg)}\times\text{(C02 zur Erzeugung von 1 kg Fleisch)} Dabei wird von folgenden Durchschnittswerten ausgegangen:
  • Schwein: 5.200 g CO2 pro kg Fleisch
  • Rind: 14.556 g CO2 pro kg Fleisch
  • Huhn: 4.000 g CO2 pro kg Fleisch
Wenn Fleisch durch Tofu substituiert wird, verringern sich Ressourcenverbräuche. Wir haben einen CO2-Ausstoß von 1.100g pro kg Tofu angenommen.

Quellen:

ifeu – Institut für Energie- und Umweltforschung Heidelberg GmbH im Rahmen zur Evaluierung der CO2-Fußabdrücke im baden-württembergischen Lebensmittelsektors des Ministeriums für Ländlichen Raum, Ernährung und Verbraucherschutz , PDF

Einsatz von Antibiotika

 RindGeflügelSchweinMensch
Tagesdosen pro Jahr017,9872,7354,7
Zur Berechnung der gesamten Tagesdosen von Antibiotika wird zunächst die Anzahl der geschlachteten Tieren ermittelt und mit den durchschnittlichen Tagesdosen multipliziert. \text{Anzahl Tagesdosen Antibiotika}= \\  \text{(geschlachtete Tiere im Jahr)}\times\text{(durchschnittliche Tagesdosen Antibiotika)}

1 Wissenschaftliches Institut der AOK, GKV-Arzneimittelindex/Arzneiverordnungs-Report 2019, wido.de PDF

2 Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit, Bundesweite Kennzahlen zur Therapiehäufigkeit bei Masttieren, bvl.bund.de, PDF

3 Bundesregierung, DART 2020 – Antibiotika-Resistenzen bekämpfen zum Wohl von Mensch und Tier, bundesgesundheitsministerium.de, PDF Seite 5 + 26

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