Mini-PV: Lohnt sich das für mich? Kosten + Ersparnis berechnen

Sie sind die ständig steigenden Strompreise leid? Mit einer Balkon-Solaranlage können Sie Ökostrom für den Eigenverbrauch produzieren. Damit sparen Sie nicht nur Geld, sondern leisten auch einen Beitrag zur Energiewende und gegen den Klimawandel. Unser Rechner verrät Ihnen dabei das Einsparpotenzial und gibt viele wichtige Tipps.

Grundsätzlich sind viele verschiedene Faktoren für den Ertrag einer solchen PV-Anlage und somit die Wirtschaftlichkeit verantwortlich: Neben den Kosten für die Anschaffung ist vor allem die Standortwahl von hoher Bedeutung. Besonders die Beschattungssituation durch andere Gebäude oder Bäume sowie die Ausrichtung und der Neigungswinkel können im individuellen Fall zu anderen Ergebnissen führen.

Das Wichtigste im Überblick

  • Der durchschnittliche Jahresverbrauch in einem deutschen 3-Personen-Haushalt liegt bei 3.500 Kilowattstunden und verursacht somit Kosten von rund 1.120 €.
  • Kleine Solaranlagen für die Montage auf dem Balkon oder der Hausfassade mit der Ausgangsleistung des Wechselrichters von bis zu 600 Watt und erreichen so eine Eigenproduktion von bis zu 17% des Strombedarfs.
  • Je nach Modell und Montageort amortisiert sich eine derartige Solaranlage bereits nach etwa 7-10 Jahren und das bei einer Lebensdauer von weit über 20 Jahren.
  • Jede selber erzeugte Kilowattstunde verringert die CO2-Emissionen, da diese nicht über fossile Energieträger wie z.B. Kohle erzeugt wurde.

Grundlagen

Eine sogenannte steckerfertige Erzeugungsanlage stellt eine einfachere, kleine Ausführung einer Photovoltaikanlage dar. Der häufig verwendete Begriff Balkon-PV lässt sich darauf zurückführen, dass diese an vielen Häusern einfach am oder auf dem Balkon montiert wird. Eine Anbringung ist jedoch auch an Hausfassaden, Carports, Gartenhäusern und anderen Orten möglich. In der Regel ist eine derartige Anlage mit 1-2 Solarmodulen für die Stromerzeugung und einem Wechselrichter ausgestattet. Dieser wandelt den produzierten Gleichstrom, in den im Haushalt nutzbaren Wechselstrom um. Je nach Modell und Anbieter wird teilweise sogar schon das für die Montage erforderliche Zubehör mitgeliefert.

Für diese Art der eigenständigen Energieerzeugung existieren mehrere Namen, so spricht man auch von steckbaren PV-Anlagen, Stecker-PV-Anlagen, Mini-PV, Balkon-PV, Plug-in-PV oder Kleinstsolaranlagen.

Handelsübliche Mini-PV Anlagen haben eine Leistung von ca. 150 bis maximal 600 Watt. Als Faustregel gilt hierbei: Pro Watt kann für den jeweiligen Haushalt jährlich ca. 1 kWh Strom auf quasi CO2-freie Art und Weise erzeugt werden. So kann über den heimischen Balkon etwa ein Achtel des durchschnittlichen Stromverbrauchs eingespart werden.

Photovoltaik lohnt sich auch im Kleinen! Eine Kleinst-Solaranlage kann auf dem Balkon oder beispielsweise an der Hauswand montiert werden, womit Sie Ihren eigenen Solarstrom erzeugen und direkt im Haushalt verbrauchen können. Dies schmälert nicht nur Ihre Stromrechnung, Sie leisten außerdem einen wertvollen Beitrag zum Klimaschutz.

Tabea Falter – M.Eng. Energiemanagement und Energietechnik bei C.A.R.M.E.N. e.V. (Centrales Agrar-Rohstoff-Marketing- und Energie-Netzwerk im Kompetenzzentrum für Nachwachsende Rohstoffe)
Mehrere Solarmodule an der Balkonbrüstung – Bild (c) C.A.R.M.E.N. e.V.

Unterscheidung zur „richtigen“ PV-Anlage

Zunächst einmal gibt es den grundlegenden Unterschied in Sachen Energieertrag: Photovoltaikanlagen auf dem Dach eines Eigenheims werden durch Fachbetriebe für den dauerhaften Betrieb fest installiert und gewartet. Durchschnittlich werden auf  Einfamilienhäusern zwischen 5 und 25 Kilowatt (kWp) PV-Leistung installiert. Strom welcher nicht im Haus direkt verbraucht wird, wird in das öffentliche Stromnetz eingespeist und über das EEG (Erneuerbare-Energien-Gesetz) vergütet.

Bei Mini-Solaranlagen ist die Nennleistung des Wechselrichters auf maximal 600 Watt (0,6 kWp) begrenzt. Diese lassen sich jedoch im Gegensatz zu Ihrer „großen Verwandtschaft“ durch Privatpersonen selber montieren. Aber auch die Demontage und ein Betrieb an anderer Stelle, wie z.B. bei Umzug oder in den Sommermonaten an einem Ferienhaus, ist ohne den Einsatz externer Fachkräfte möglich. Zudem kann auch die Anmeldung beim Netzbetreiber eigenständig erfolgen.

Die hier thematisierten Mini-PV-Anlagen benötigen einen Netzanschluss, um Strom produzieren zu können. Möchten Sie im Schrebergarten oder beim Camping-Ausflug ihre eigene Energie erzeugen, bieten sich stattdessen sogenannte „Inselsysteme“ an. Diese verfügen über einer Batterie als Zwischenspeicher und einer etwas anderen Art von Wechselrichter.

Die rechtliche Situation

Während Hauseigentümer die Entscheidung einer Montage vollkommen eigenständig treffen können, so gibt es in einer Mietwohnung oder als Teil einer Wohnungseigentümergemeinschaft ein paar Dinge mehr zu beachten:

Für einen Montageort auf einer gemieteten Fläche wie Balkon, Terrasse, Garten etc. bedarf es keiner Zustimmung durch den Vermieter. Einzige mögliche Einschränkung wäre eine Klausel im Mietvertrag, welche die Anbringung von Dingen am Balkongeländer explizit untersagt.

Ist eine Montage an oder auf Gemeinschaftsflächen wie Fassaden, Brüstungen oder auf Dächern angedacht, so sollte in jedem Fall vorab eine Rücksprache mit dem Vermieter stattfinden. Gerade in einer Eigentümergemeinschaft gelten optische Veränderungen der Fassade als bauliche Veränderung, die einer Mehrheitszustimmung im Rahmen der nächsten Eigentümerversammlung bedarf.

Liegt ein Denkmal- bzw. Ensembleschutz vor, so ist zusätzlich die Rücksprache mit der entsprechenden Behörde zwingend erforderlich.

Vor einem Gespräch mit dem Vermieter, Hausverwalter oder gar der gesamten Eigentümergemeinschaft ist es zu empfehlen, dass sich der Interessierte intensiv mit den Regelungen des Mietvertrages oder der Teilungserklärung auseinandersetzt. Zudem wäre es auch ratsam, evtl. vorhandene technische Bedenken und Sorgen rund um die Sicherheit ausräumen zu können.

Der geeignete Standort

Für den optimalen Ertrag ist die optimale Ausrichtung der Module mit möglich wenig Verschattung wichtig. In der Praxis hat sich die senkrechte Montage an der Außenseite einer Balkonbrüstung oder Hausfassade als sinnvoll herausgestellt. Im Idealfall ist diese verschattungsfrei nach Südwest bis Südost ausgerichtet. Die senkrechte Anordnung reduziert im Sommer die nicht nutzbaren Erzeugungsspitzen und erhöht gleichzeitig in den Wintermonaten die nutzbaren Erträge.

Bedingt geeignete Orte für die Montage sind der Balkon oder die Terrasse hinter einer Brüstung oder falls der Wunschort von einem Balkon des darüber liegenden Stockwerks beschattet wird. Grundsätzlich sollte jeder Ort zuvor auf eine Verschattung durch Bäume/Sträucher, Laternenmasten, Leuchtreklamen oder andere Gebäude geprüft werden.

Wie auf alle Oberflächen im Freien, können sich auch auf PV-Anlagen unterschiedliche Verschmutzungen und Stoffe absetzen. Die Bandbreite reicht dabei von Vogelkot und Moosen, bis zu Blättern sowie Ruß und weitere Abgasrückstände.

Grundsätzlich sind flach montierte Anlagen weitaus stärker von Verschmutzungen bedroht, als solche mit einem hohen Neigungswinkel, so dass eine Reinigung in regelmäßigen Abständen durchaus sinnvoll sein kann.
Die optimale Ausrichtung von Solarmodulen – Grafik (c) C.A.R.M.E.N. e.V.

Die genaue Wirtschaftlichkeit einer Anlage hängt stark von der individuell Nutzung der Energie ab. So kann zum Beispiel eine nach Osten ausgerichtete Anlage besondersgut den Strombedarf in den Vormittagsstunden decken. Außerdem sollte versucht werden, den Großteil des Energiebedarfs auf die Sonnenstunden zu legen – Waschmaschine, Trockner, Spülmaschine, Akkus laden, etc.

Daniel F. Eisel, M.Sc. – Technologie- und Förderzentrum im Kompetenzzentrum für nachwachsende Rohstoffe (TFZ)

Erforderliche Technik & Installation

Normalerweise müssen PV-Anlagen, egal welcher Größe, von einem Elektro-Fachbetrieb angeschlossen werden. Bis zu einer Leistung von 600 Watt und bei Vorhandensein einer speziellen Steckdose und eines geeigneten Stromzählers wurde diese Vorschrift jedoch inzwischen dahingehend geändert, dass die Montage und der Anschluss auch in Eigenregie durchgeführt werden können.

Wichtig ist jedoch, dass kleine PV-Anlagen nicht in eine haushaltsüblichen Schutzkontaktsteckdose (Schuko-Steckdose) eingesteckt werden dürfen, da diese für diesen Einsatz nicht zugelassen ist. So muss eine spezielle Energiesteckdose vorhanden sein, welche die Vorgaben der DIN VDE V 0100-551-1 erfüllt. Der Anschluss erfolgt dann z.B. mittels eines „Wieland“-Steckers an die entsprechende Steckdose.

Mit dieser Norm wurde es im Jahr 2018 erstmals rechtlich möglich, kleinere PV-Anlagen auch in einen bereits vorhanden Endstromkreis einzubinden. Die Installation dieser speziellen Steckdose, samt Prüfung der Leitung auf ausreichende Dimensionierung für die Einspeisung, muss jedoch vorab durch eine Elektrofachkraft erfolgen.

Zum Thema der geeigneten Anschlussdose gibt es jedoch auch unterschiedliche Interpretationen, so hält z.B. die DGS (Deutsche Gesellschaft für Sonnenenergie) auch eine Schuko-Streckdose für zulässig, so lange das Solar-Gerät den DGS-Sicherheitsstandard für steckbare Stromerzeugungsgeräte DGS 0001 einhält.

Die Expertinnen und Experten von C.A.R.M.E.N. e.V. und dem Technologie- und Förderzentrum im Kompetenzzentrum für nachwachsende Rohstoffe (TFZ) empfehlen allerdings den Wieland-Stecker zu nutzen, um auf „Nummer Sicher“ zu gehen und spätere Komplikationen zu vermeiden.

Falls Sie unsicher sind und sich eine eigenständige Montage und den Anschluss einer PV-Anlage nicht zutrauen, kontaktieren Sie besser einen Fachhandwerker. Ein durch Unwissenheit verursachter Schaden könnte Sie ansonsten mehr ärgern, als die einmaligen Installationskosten.
Montage mittels Neigung für optimale Ausnutzung der Sonnenenergie – Bild (c) C.A.R.M.E.N. e.V.

Die Anmeldung & Austausch Stromzähler

Nach dem handwerklichen folgt der formelle Part: So muss dem regionalen Netzbetreiber sowie der Bundesnetzagentur über das sogenannte Marktstammdatenregister die Inbetriebnahme der Anlage mitgeteilt werden. Viele Netzbetreiber stellen hierfür bereits vereinfachte Formulare auf ihren Internetseiten bereit.

Um mit der eigenen Stromproduktion später ohne Verzögerungen starten zu können, empfiehlt es sich, diese Anmeldungen schon vor den eigentlichen Montagearbeiten abzusenden.

Kommt es zu einer höheren Stromproduktion, als zum jeweiligen Zeitpunkt benötigt wird, so kann Strom ins allgemeine Stromnetz fließen. Dies ist durchaus erlaubt, sofern der Norm entsprechende Technik eingesetzt wird. Das sogenannte Messstellenbetriebsgesetz (MsbG) sieht jedoch vor, dass für diesen Fall ein moderner Zähler mit Rücklaufsperre verwendet wird. Ist noch ein herkömmlicher Stromzähler mit mechanischen Drehscheiben („Ferraris-Zähler“) im Einsatz, so könnte dieser ansonsten rückwärts laufen.

Je nach Netzbetreiber erfolgt nun in der Regel entweder die Neumontage eines sogenannten Einrichtungszählers (dieser hat eine Rücklaufsperre, kann jedoch keine Überschusseinspeisung messen) oder in den meisten Fällen eines Zweirichtungszählers. Solche Zähler werden auch bei Photovoltaikanlagen mit Überschusseinspeisung eingesetzt und können sowohl den Strombezug aus dem Netz als auch die Rückspeisung exakt messen.

Baut Ihr Netzbetreiber einen alten Zähler aus und stattdessen eine moderne Messeinrichtung ein, darf er dafür in der Regel keine Kosten in Rechnung stellen. Das Messstellenbetriebsgesetz schreibt vor, dass die Kosten für den Ein- und Ausbau von Zählern im jährlichen Messpreis bereits enthalten sein müssen. Diese jährlichen Messkosten können sich jedoch von derzeit 12 auf 16 oder bis maximal 20 Euro erhöhen, was die derzeit zulässige gesetzliche Obergrenze darstellt.

Auch wenn Sie bereits einen modernen Zähler mit Rücklaufsperre haben, kann der Netzbetreiber gemäß den VDE-Regelungen einen Austausch zu einem Zweirrichtungszähler fordern.

Netzeinspeisung & mögliche Speicherung

Erfüllt man mit seiner Balkon-PV-Anlage alle gesetzlichen und technischen Anforderungen, so entsteht theoretisch auch ein Anrecht darauf, die EEG-Einspeisevergütung erhalten zu können. Im Zuge des vereinfachten Anmeldeformulars verzichtet man aber in der Regel darauf, ansonsten könnte man dafür den Weg einer normalen Anlagenanmeldung gehen.

Ob sich das im Einzelfall lohnt, ist jedoch höchst fraglich: Werden pro Jahr im Schnitt etwa 100 bis 150 Kilowattstunden ins Netz gespeist, stehen Ihnen dadurch rund 10 Euro Einspeisevergütung zu. Selbst auf die Lebensdauer hochgerechnet kommt dabei nur eine sehr überschaubare Summe zusammen, denen ein hoher verwaltungstechnischer Aufwand wie Meldefristen gegenüberstehen.

Eine Speicherung des erzeugten Solarstroms ist in den Systemen nicht vorgesehen, da dieser direkt ins heimische Stromnetz eingespeist wird. Zwar bieten immer wieder Hersteller kleinere Batteriespeicher an, diese sind aber finanziell wenig attraktiv und aus diesem Grund derzeit noch nicht zu empfehlen.

Eine Montage sowohl in Miet- als auch in Eigentumswohnungen möglich – Bild (c) C.A.R.M.E.N. e.V.

Wussten Sie schon?

  • Der Begriff Photovoltaik leitet sich aus dem griechischen Wort für „Licht“ (phos) sowie aus der Einheit für die elektrische Spannung, dem Volt ab.
  • In den meisten Fällen wird die Schreibweise Photovoltaik und die Abkürzung PV angewendet, jedoch ist auch „Fotovoltaik“ eine seit der deutschen Rechtschreibreform zulässige alternative Schreibung.
  • Erste Siliziumsolarzellen wurden bereits in den 1950er Jahren produziert, erreicht dort aber nur einen Wirkungsgrad von bis zu 6%. Der erste Einsatz erfolgte damals zur Stromversorgung von Verstärkern im Telefonnetz.
  • Als erster Satellit mit Solarzellen als Stromversorgung startete der US-amerikanische Vanguard 1 im März 1958 und blieb ganze sechs Jahre in der Erdumlaufbahn.
  • Als Mittel zur irdischen Stromversorgung wurden Photovoltaik erst durch die Ölkrise von 1973/74 sowie durch die Nuklearkatastrophe von Tschernobyl zum Gegenstand intensiverer Forschungen und Weiterentwicklungen.

FAQ

Was passiert, wenn ich mehr Strom produziere, als ich in diesem Moment benötige?

Der nicht benötigte Solarstrom fließt dann über den Hausanschluss ins öffentliche Stromnetz. Hierfür ist keine Messung oder Erlaubnis erforderlich, da Stromerzeugungseinrichtungen unter 800 Watt vom Gesetz her, als nicht systemrelevant gelten.

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Muss ich für den Betrieb einer kleinen PV-Anlage auf dem Balkon ein Gewerbe anmelden?

Nein, denn eine solche Gewerbeanmeldung ist nur dann erforderlich, wenn eine EEG-Einspeisevergütung in Anspruch genommen werden soll. Dies ist bei Anlagen dieser Größe nicht sinnvoll.
Es muss jedoch eine (kostenlose) Registrierung bei der Bundesnetzagentur erfolgen, sowie eine Anmeldung beim örtlichen Netzbetreiber.

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Dürfen auch mehrere Mini-PV Anlagen miteinander kombiniert werden?

Rein theoretisch ja, so lange die maximale Leistung von 600 Watt nicht überschritten wird. Werden trotzdem mehrere Anlagen angeschlossen, so kann es zu einer Überlastung der Stromleitung kommen und eine akute Brandgefahr entstehen.

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